Ein Name ohne Gedicht

RB1Immer wieder bin ich überrascht, zu welchen Fehlleistungen mein Hirn fähig ist. Ich habe Richard Brautigan vergessen. Trotzdem ich mich vor ein paar Jahren in einen schmalen Gedichtband von ihm verliebt habe, der noch in meinem Besitz ist. Und wenn ich vergessen sage, dann meine ich nicht ein einfaches nicht-mehr-daran-denken, ich rede davon, daß ich für eine kurze Zeit den Eindruck einer ersten Begegnung hatte. Die Erinnerung, die mit dem Namen Brautigan verknüpft ist, stellte sich erst ein, als ich seine Gedichte (wieder) zu lesen begann. Doch dann war es sofort zurück: Das Staunen über die Wirkung dieser wenigen, mit dem Staub des täglichen Gebrauchs bedeckten, Worte.

Ursprünglich wollte ich im Internet nur nach der Quelle des Satzes suchen, der mir als Abschluß eines in Planung befindlichen Textes außerordentlich gefiel. Er wohnte einfach so in mir, dieser Satz, hatte sich von seinem Ursprung gelöst, wie so viele andere. Wer weiß schon so genau, woher all diese Worte stammen, mit denen wir tagtäglich unser durstiges Hirn füttern. Ich nicht. Ich suche sehr oft mühsam nach den Quellen, wenn ich etwas zitieren möchte. Eine entspannte Nachlässigkeit beim Notieren solcher Angaben bringt mich in diese unentspannte, Zeit raubende Situation. Solch eine Vorgehensweise hat mitunter jedoch angenehme Nebeneffekte. Das sollte nicht unerwähnt bleiben. Schlendern ist Luxus, den man sich leisten darf. Wie sonst hätte ich Richard Brautigan wiedergefunden? Sein Gedichtband hatte den Weg ans Licht aus einem der Kartons vom letzten Umzug noch nicht beschritten. Die gesuchte Quelle des Satzes war also R.B. Nach ein paar Klicks war ich wieder im Bilde, mit wem ich es zu tun hatte und kurze Zeit später war dieser wunderbare kleine Band bestellt, der oben im Foto zu bewundern ist.
(… und an dieser Stelle mit großer Zuneigung kritisch hinterfragt wird)

Ich kenne bisher nur Gedichte von Richard Brautigan. Ich weiß nicht, ob mir die Geschichten, die er erzählt, gefallen werden. Wenn sie den Geist seiner Lyrik tragen, bin ich hoffnungsfroh. Seine Worte sind nicht das, was man poetisch nennen würde. Aber Richard Brautigan benutzt sie so, daß in dem leeren Raum zwischen ihnen etwas entsteht, das mir kurz den Atem stocken läßt. Es ist eine Kunst, mit so wenigen, bedacht gesetzten Worten, einen solch großen Resonanzraum zu schaffen. Man lauscht ihnen nach, diesen kleinen eigensinnigen Erzählungen, wie einem gerade verklungenem Lied, dessen Melodie noch für Momente nachhallt. Vielleicht übertreibe ich ein klein wenig. Aber sicher bin ich mir da nicht.

 

Der Amelia Earhart Pfannkuchen

Ich kann einfach kein Gedicht finden 
für diesen Titel. Ich hab jahrelang
nach einem gesucht, und jetzt geb ich
       auf.

                                    3. November 1970

(Richard Brautigan)

 

 

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