Bassliebe

2015-09-27 18-34-05 +0200-1Ich mag die tiefen Töne. Sie bringen die richtige Saite in mir zum Schwingen. Wäre ich nicht (fast) schon immer von großen Selbstzweifeln hinsichtlich meiner musikalischen Begabungen geplagt, hätte ich mir in einer Band bestimmt den Job als Bassistin ausgesucht. Bleibt das Musikhören für mich. Das mache ich sehr gern, allerdings möchte ich selbst entscheiden, ob und wann ich mich der Musik hingebe. Sehr viel öfter, als ich das wünsche, wird mir diese Entscheidung jedoch abgenommen. Täglich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ungefragt beschallt zu werden. Es stört mich nicht immer. Nur leider sind es die tiefen Töne, die sich für mich zu einem wiederkehrenden Ärgernis entwickelt haben. Die Töne selbst können eigentlich nichts dafür. Die Art ihrer Wiedergabe ist es, die mich regelmäßig in Aufruhr bringt.

Ob es Bassboxen in normalen Mietwohnungen sind, mit denen man wahrscheinlich riesige Lofts in ehemaligen Industriebauten versorgen könnte oder Drum´n Bass – Veranstaltungen, die nach dem Motto Viel hilft viel funktionieren, mein Körper reagiert mit großem Unbehagen darauf. Morgens fünf Uhr von die Wände hinaufkriechenden Tieftonschwingungen geweckt zu werden, die ihren Ursprung mehrere hundert Meter weiter weg haben, ist nicht schön. Auch das Einschlafen unter derlei Bedingungen ist mühsam. Ich mag kein Drum´n Bass. Habe ich das schon erwähnt? Vor einiger Zeit lag ich abends im Bett. Auf dem Bauch. Ich war mehr als bereit, den Schlaf zu begrüßen. Plötzlich waren sie wieder da, die tiefen Töne, diese ungebetenen Gäste. Ich lauschte, war mir nicht sicher. Ich richtete mich im Bett auf. Lauschte. Nichts. Ich legte mich wieder hin. Lauschte. Da waren sie. Bumm, bumm, bumm. Ich lag ganz still und versuchte zu ergründen, was der Ursprung dieser Töne sein könnte. Hatte ich mich auf eine lange Nacht einzustellen? Bumm, bumm, bumm … wenn ich ganz still lag. Stille … wenn ich mich in die Senkrechte begab. Irgendwann, nachdem ich ausdauernd gelauscht hatte, lang gestreckt auf dem Bauch, kam mir die Erkenntnis: Es war mein Herzschlag, den ich unter Verdacht gestellt hatte.

Hier findet sich einer meiner Lieblingsbassläufe. Ich liebe Bässe. Habe ich das schon erwähnt?

 

 

 

 

 

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