Ein Ding von launenhafter Relevanz

IMG_3217Als ich vor vielen Jahren Peter Høegs Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee las, hat mich neben den mikroskopischen Beschreibungen von Schnee etwas besonders fasziniert: Die Gleichzeitigkeit eines messerscharfen, nüchternen Intellekts und einer fast schon zwanghaften Leidenschaft für modischen Stil der Hauptfigur Smilla Jaspersen. Diese Kombination gehörte nicht in mein Reich der Möglichkeiten. Die unstete, oberflächliche Welt der Mode und die hohen Ansprüche intellektueller Lebenswelten schienen nicht vereinbar. Das sagt zwar mehr über mich als über die tatsächlichen Gegebenheiten, aber in dieser Hinsicht bin ich bis heute unentschlossen.

Die Mode und ich haben eine ausgeprägte Jein-Beziehung. Ich fühle mich zwar gern gut gekleidet und habe nach langen Jahren des Suchens etwas Sicherheit gewonnen in der Frage, wer ich denn eigentlich wünsche zu sein. Und ja, das hat auch etwas mit Aussehen zu tun. Allerdings ist mir dieser ganze Zirkus um Handtaschen und Riemchensandalen wirklich fremd. Ich verstehe nicht, wie frau den ganzen Tag mit angewinkeltem Arm verbringt, damit sich in der Armbeuge ein Paar Handtaschenhenkel kuscheln können und vor allem warum. Der funktionale Vorteil einer clutch hat sich mir bisher auch noch nicht erschlossen. Wer das mag, dem gönne ich es von Herzen. Ich möchte auch nichts grundsätzlich ausschließen, wankelmütig bin ich ja selbst. Trotzdem: Am Ende lande ich immer bei dem Gedanken, daß hier zu viel Wind um zu wenig Substanz gemacht wird. Meine Helden kommen aus anderen Bereichen als dem der Mode. Stilsicherheit und ästhetisches Feingefühl sprechen mich durchaus an, treten aber sofort in den Hintergrund, wenn mich jemand am Herzen berührt.

Und dann gibt es ab und zu doch Menschen, bei denen das eine nicht vom anderen zu trennen ist und die es schaffen, mich zu inspirieren, obwohl ich das alles nicht so wichtig nehmen will. Saskia de Brauw ist so eine. Wegen ihr habe ich mir die erste Vogue meines Lebens gekauft, um genau zu sein, wegen ihrer Frisur. Ich weiß nicht sehr viel von ihr, aber sie hat nach einem kurzen Start ins Modelleben mit 15 Jahren der Sache schnell den Rücken gekehrt, mit 29 Jahren den Wiedereinstieg geschafft und ist zudem Künstlerin. Ich mag ihren Stil, ich mag ihren Weg und fühle mich ertappt bei dem mädchenhaften Wunsch, ein wenig zu sein wie sie.

Die Vogue werde ich allerdings weiterhin bevorzugt beim Friseur lesen.

 

auch sehr sehenswert: die Fotostrecken ihres Freundes Vincent van de Wijngaard

und natürlich unbedingt lesenswert: Fräulein Smillas Gespür für Schnee

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