Gesagt, getan

IMG_0170Es gibt Worte und Sätze, die man sagen kann, die ungefährlich sind. Meist macht es keinen Unterschied, ob sie laut werden oder ungesagt bleiben. Wenn ich irgendjemandem erzähle, daß meine Haare heute schlecht liegen, hat das für mich keine Konsequenzen. Wahrscheinlich wird sich die Person in ein paar Stunden noch nicht mal mehr an meine Worte erinnern. Das ist gut so. Anders ist es mit Sätzen wie: Ich mache das. Ausrufezeichen. Fragezeichen. Ausrufezeichen. Punkt.

Diesen Satz habe ich vor ein paar Monaten gesagt. Er hatte Konsequenzen, die mich am Ende an ein Rednerpult brachten vor die (hoffentlich) aufmerksamen Augen und Ohren von geschätzten 300 Menschen. Unter ihnen waren die Hauptpersonen der Veranstaltung, junge Leute um die 14 Jahre alt, an die ich meine Worte hauptsächlich gerichtet habe. Meine Tochter saß in ihren Reihen. Es war ihr großer Tag, der Tag ihrer Jugendweihefeier.

Für mich war der Auftritt als Festrednerin eines dieser ersten Male, die mit zunehmendem Alter immer seltener werden. Die Entscheidung, den gefährlichen  Satz Ich mache das zu sagen, hat mir einige Bauchschmerzen bereitet, bereut habe ich ihn nicht eine Sekunde. Es ist für die Veranstalter nicht leicht, Festredner für die Jugendweihe zu finden, zu tief sitzen Vorbehalte und Ängste gegenüber dieser Art, junge Menschen in einem feierlichen Rahmen ins Erwachsenenleben zu begleiten. Das ist schade, zumal die Bedenken vermutlich der Sorge um die eigene Reputation gelten.

Meine Motivation und mein Ansatz für die Rede waren sehr persönlich. Ich wollte es nicht dem Zufall überlassen, welche Worte meine Tochter und ihre Mitschüler an diesem Tag zu hören bekommen sollten. Die Tatsache, daß meine Jugendweihe am gleichen Tag vor X Jahren stattfand, gab mir den letzten Anreiz zu meiner Entscheidung. Ich halte mich gern an Zeichen fest.

Was habe ich ihnen nun also erzählt, diesen Menschen in dem Alter, das man gern unterschätzt? Ich habe ihnen erzählt, wie wichtig und wie schön es ist, sich selbst und seine Träume ernst zu nehmen, daß dies ein wesentlicher Bestandteil dessen ist, was ich unter Verantwortung verstehe. Ich habe davon gesprochen, daß man scheitern darf, daß man die Nächte durchtanzen muss und daß man, auch wenn man sich wichtig nehmen darf und soll, nicht der Nabel der Welt ist. So in etwa. Nichts Großes, aber groß genug für mich.

Ich habe ihnen nicht gesagt, daß ich selbst gern mitunter eine Rede hätte, die mich ermutigt; daß zu wissen, wie wichtig es ist, sich ernst zu nehmen, nicht bedeutet, es auch wirklich zu tun. Mir gelingt es mittlerweile immer öfter. Sonst hätte ich diese Rede nie gehalten. Irgendwie bin ich froh, nicht mehr 14 zu sein, weil das Leben mir Dinge beigebracht hat, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Trotzdem wünsche ich mir manchmal z.B. die Kraft und die Wut dieser jungen Frau zurück, die mich damals schwer beeindruckt hat.

Und weil ein Buch nicht fehlen darf: Ein Leben von Guy de Maupassant. Mit 14 hatten es mir die Franzosen angetan. Im kommenden August ist eine wunderschöne Neuerscheinung im mare Verlag geplant. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Buch zweimal gelesen zu haben, auch wenn es mich sehr gefesselt hat. Ihr bekommt somit also die nachdrückliche Empfehlung einer Vierzehnjährigen. Die nicht mehr Vierzehnjährige empfiehlt dieses Buch, das sie selbst noch nicht gelesen hat und welches demzufolge auf die Liste wandert.

Was hat euch gefesselt mit 14 Jahren und welche Worte würdet ihr den heute Vierzehnjährigen mit auf den Weg geben?

 

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